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Public Lectures

"Hauptsache vorwärts? Einsteins ungerader Weg zur Allgemeinen Relativitätstheorie" - D. Giulini

Schon bald nach Aufstellung der Speziellen Relativitätstheorie (1905) begann sich Einstein mit dem Gravitationsproblem zu beschäftigen, das er Ende 1915 in Form der Allgemeinen Relativitätstheorie löste. Der Weg dorthin kann mit einem Erkundungspfad im Dschungel physikalischer Begriffe verglichen werden. Frei nach dem Motto, dass man eine Landschaft erst dann kennen und vielleicht auch lieben lernt, wenn man einmal gezwungen wird auf Nebenstrecken unterschiedlicher Höhe zu reisen, soll es in diesem Vortrag eben auch um die Umwege des Einstein'schen Weges gehen, die nicht nur pädagogische, sondern auch so manche wertvolle physikalische Einsichten liefern.

"Die Grenzen des physikalischen Wissens" - O. Lechtenfeld

Lässt sich die Welt anschaulich begreifen oder nur mathematisch? Finden Experimente prinzipiell bloß das, wonach sie suchen? Wann gilt ein neues Teilchen als entdeckt? Wie real sind Quarks? Gibt es Multiversen? Landen falsifizierte Theorien im Müll? Endet die Forschung mit einer "theory of everything"? Gibt es absolute Wahrheiten in der Physik? Gibt es noch geniale Individuen oder geht es nur noch im großen Team? Kann die gesamte Physik in einem Hirn vereinigt sein oder lebt sie nur fragmentiert im Internet? Ertrinken wir nicht in einer Flut von irrelevanter Wissensproduktion? Was müssen Physiklehrer wissen?

Diesen und weiteren Fragen will der Vortrag nachgehen anhand bizarrer Aspekte der modernen Physik. Das physikalische Weltbild ist im vergangenen Jahrhundert immer unanschaulicher geworden. Die "individuelle Zeit" der Relativität, die spukhafte Fernwirkung und das Fehlen von "Realität" in der Quantentheorie, der Beginn von Raum und Zeit in der Kosmologie sowie die Umstände der Verkündigung des Higgs-Teilchens werden hierzu erläutert. Gleichzeitig wurde und wird eine unglaubliche Menge an scheinbar irrelevantem physikalischen Wissen erzeugt. Der Selektion von wegweisenden Ergebnissen und der Zugriff darauf sowie kulturelle und konfessionelle Barrieren gewinnen an Bedeutung in einer technologiegetriebenen Wirtschaft. Eine Schlüsselrolle bei der Weitergabe des physikalischen Wissens an nachfolgende Generationen kommt den Medien und den Lehrern zu. Bei aller (scheinbaren?) Objektivität müssen wir prinzipielle Grenzen des Wissens aufgrund unserer biologischen Hardware und Evolutionsgeschichte akzeptieren. Darüber hinaus kann man darüber nachsinnen, wie "relativ" physikalische Erkenntnis ist in Bezug auf das gesellschaftliche Umfeld der Forscher und ob der gegenseitige Bezug von Theorie und Experiment nicht zu einem grandiosen Zirkelschluss führt.